Ärztliche Laufbahn

Wie wird man Oberarzt und wie lange dauert es?

Kurz gesagtOberarzt wird ein Facharzt, dem der Arbeitgeber die medizinische Verantwortung für einen selbstständigen Teil- oder Funktionsbereich der Klinik ausdrücklich überträgt (Protokollerklärung zu § 16 Buchst. c TV-Ärzte/VKA). Eine gesetzliche oder tarifliche Mindestzeit nach der Facharztanerkennung gibt es nicht. Der Weg führt über die Facharztweiterbildung, in den meisten Gebieten, auch in Innerer Medizin, 60 Monate, im Gebiet Chirurgie, in Neurochirurgie und in den weiteren internistischen Facharztkompetenzen wie Innere Medizin und Kardiologie 72 Monate (MWBO), und danach über Jahre fachärztlicher Tätigkeit, deren Zahl allein die Klinik bestimmt. Häufiger Zwischenschritt ist der Funktionsoberarzt ohne eigene Entgeltgruppe.

Stand 07.10.2026 · 7 amtliche Quellen · 2.504 aktuelle Stellen

Voraussetzungen: Facharzt und ausdrückliche Übertragung

Der Oberarzt ist ein Begriff des Tarifrechts. § 16 TV-Ärzte/VKA ordnet ihn der Entgeltgruppe III zu; die Protokollerklärung zu Buchst. c definiert: „Oberärztin/Oberarzt ist diejenige Ärztin/derjenige Arzt, der/dem die medizinische Verantwortung für selbstständige Teil- oder Funktionsbereiche der Klinik bzw. Abteilung vom Arbeitgeber ausdrücklich übertragen worden ist.“ Einzelheiten der Definition und die Rechtsprechung zu unterstellten Fachärzten: Was ist ein Oberarzt?.

  • Facharztanerkennung: § 16 Buchst. c TV-Ärzte/VKA nennt sie nicht; der TV-Ärzte TdL der Universitätskliniken kennt als zweiten Weg in die Entgeltgruppe Ä 3 den „Facharzt in einer durch den Arbeitgeber übertragenen Spezialfunktion, für die dieser eine erfolgreich abgeschlossene Schwerpunkt- oder Zusatzweiterbildung nach der Weiterbildungsordnung fordert“ (§ 12). In Stellenanzeigen ist die Anerkennung die Regel.
  • Übertragung: Nach dem Bundesarbeitsgericht (Urteil vom 22.09.2010, 4 AZR 166/09) kann auch die Klinikleitung oder der Chefarzt den Bereich zuweisen, wenn die Zuweisung dem Arbeitgeber zuzurechnen ist; der Titel „Oberarzt“ hat „für sich genommen keine tarifliche Bedeutung“, ebenso wenig sein Fehlen.
  • Schriftform: Die Entgeltgruppe „ist im Arbeitsvertrag anzugeben“ (§ 15 Abs. 3 TV-Ärzte/VKA), Nebenabreden „sind nur wirksam, wenn sie schriftlich vereinbart werden“ (§ 2 Abs. 3).

Wie lange dauert es? Mindestzeiten und was keine ist

Weder Weiterbildungsordnung noch Tarifvertrag schreiben vor, wie viele Jahre ein Facharzt gearbeitet haben muss, bevor ihm ein Bereich übertragen wird. Der Tarifvertrag kennt Facharztjahre nur als Stufenlaufzeit der Entgeltgruppe II: Stufe 2 „nach dreijähriger fachärztlicher Tätigkeit“, Stufe 3 nach sechs, Stufe 4 nach acht, Stufe 5 nach zehn, Stufe 6 nach zwölf Jahren (§ 19 Abs. 1 Buchst. b TV-Ärzte/VKA); eine Voraussetzung für die Entgeltgruppe III sind sie nicht.

Verbindliche Mindestzeiten auf dem Weg zum Oberarzt
AbschnittMindestdauerGrundlage
Facharztweiterbildung60 Monate in den meisten Gebieten, etwa Innere Medizin; 72 Monate im Gebiet Chirurgie, in Neurochirurgie und in den weiteren internistischen Facharztkompetenzen wie Innere Medizin und KardiologieMWBO 2018, Abschnitt B
Tätigkeit als Facharzt vor der Übertragungkeine; Facharztjahre zählen nur für die Stufen der Entgeltgruppe II§ 19 Abs. 1 Buchst. b TV-Ärzte/VKA
Stufen als OberarztStufe 2 nach drei, Stufe 3 nach sechs Jahren oberärztlicher Tätigkeit§ 19 Abs. 1 Buchst. c TV-Ärzte/VKA

Rechnerisch ist die Oberarztstelle frühestens nach 60 bis 72 Monaten Weiterbildung erreichbar; wie viele Facharztjahre dazukommen, entscheidet die Klinik nach freien Stellen und Bedarf. Zur Größenordnung: 2025 gab es 16.195 Facharztanerkennungen, im Krankenhaus 16.842 leitende Ärzte (Ärztestatistik 2025, Tabellen 3 und 9).

Der Zwischenschritt: Funktionsoberarzt

Viele Kliniken vergeben vor der Oberarztstelle den Titel Funktionsoberarzt. Der Marburger Bund Hessen stellt klar: „Bei Funktionsoberärztinnen/ärzten handelt es sich um keinen tarifrechtlichen Begriff“, es sei „ein Titel ohne Mittel“. Der Funktionsoberarzt bleibt in Entgeltgruppe II, weil ihm kein Bereich ausdrücklich übertragen wurde. Wird eine höherwertige Tätigkeit vorübergehend übertragen und mindestens einen Monat ausgeübt, besteht Anspruch auf eine persönliche Zulage in Höhe des Unterschiedsbetrags, rückwirkend ab dem ersten Tag (§ 17 TV-Ärzte/VKA). Mehr: Was ist ein Funktionsoberarzt?.

Für die Stufen der Entgeltgruppe III zählt diese Zeit nicht automatisch: Die Stufenlaufzeit läuft nach Zeiten „innerhalb derselben Entgeltgruppe bei ihrem Arbeitgeber“ (§ 19 Abs. 1); sonstige Zeiten „können angerechnet werden, wenn sie für die vorgesehene Tätigkeit förderlich sind“ (Abs. 2 Satz 4).

Wie Stellenanzeigen den Weg beschreiben

Anzeigen für Oberärzte verlangen fast durchgängig die Facharztanerkennung, häufig eine Schwerpunkt- oder Zusatzbezeichnung und unbezifferte „mehrjährige Berufserfahrung als Facharzt“. Aufschlussreich ist der Bereich: „Leitung der Station“ oder „Verantwortung für die Endoskopie“ beschreibt einen Teil- oder Funktionsbereich im Tarifsinn; „oberärztliche Mitarbeit“ oder „Perspektive Oberarzt“ beschreibt häufig eine Facharztstelle in Entgeltgruppe II, bei der der Bereich später übertragen werden soll. Offene Stellen: Oberarztstellen; Tariftabellen: Gehalt als Oberarzt.

Bewerbung und Vertrag

  • Unterlagen: Facharzturkunde, Urkunden über Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen, Arbeitszeugnisse und in operativen Fächern ein Leistungs- oder OP-Katalog. Wer eine Weiterbildungsbefugnis beantragen soll, braucht die „mehrjährige Tätigkeit nach Abschluss der entsprechenden Weiterbildung“ (§ 5 Abs. 2 MWBO).
  • Interne Übertragung: Die Zuweisung durch Chefarzt oder Klinikleitung genügt, wenn sie dem Arbeitgeber zuzurechnen ist (BAG 4 AZR 166/09); wirksam wird sie als schriftliche Nebenabrede (§ 2 Abs. 3 TV-Ärzte/VKA). Der Marburger Bund Hessen zitiert einen Oberarzt: Es sei wichtig, „alles schriftlich festzuhalten, da das gesprochene Wort flüchtig ist“.
  • Entgelt: Entgeltgruppe III, Stufe 1 9.459,56 € brutto im Monat (TV-Ärzte/VKA, Tabelle gültig ab 1. Juni 2026), Stufe 2 nach drei Jahren 10.015,53 €, Stufe 3 nach sechs Jahren 10.810,95 €. Unikliniken, kirchliche Träger und private Konzerne haben eigene Tarifwerke.

Häufige Fragen

Kann man ohne Facharztanerkennung Oberarzt werden?

Der Wortlaut des § 16 Buchst. c TV-Ärzte/VKA verlangt sie nicht; der TV-Ärzte TdL setzt sie beim Weg über die Spezialfunktion voraus, Anzeigen verlangen sie regelmäßig. In der Praxis ist sie die Voraussetzung; zum Haftungsmaßstab siehe Was ist ein Facharzt?.

Zählt die Zeit als Funktionsoberarzt für die Oberarztstufe?

Nicht automatisch: Die Stufen laufen nach Zeiten oberärztlicher Tätigkeit in derselben Entgeltgruppe; frühere Zeiten können als förderlich angerechnet werden (§ 19 Abs. 1 und 2 TV-Ärzte/VKA).

Wie lange dauert es im Durchschnitt?

Eine amtliche Statistik über Alter oder Facharztjahre bei der ersten Oberarztstelle gibt es nicht; die Ärztestatistik unterscheidet im Krankenhaus nur leitende und nichtleitende Ärzte. Verlässlich sind allein die Mindestzeiten der Weiterbildung und die Stufenlaufzeiten.

Aktuelle Oberarztstellen

Bei Job Clerk sind aktuell 2.504 Stellen dieser Karrierestufe ausgeschrieben, mit Arbeitgeberquelle, Arbeitsort und, soweit veröffentlicht, Vergütung.

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Verwandte Fragen

BegriffeOberarztFacharztTarifvertragWeiterbildungsbefugnisStellenanzeigeSchwerpunktZusatzbezeichnung / Zusatz-Weiterbildung

Quellen

Amtliche und tarifliche Veröffentlichungen, auf denen diese Antwort beruht, mit dem Datum des Abrufs.

  1. TV-Ärzte/VKA in der Fassung des Änderungstarifvertrags Nr. 10 (Stand 1. Juli 2025), §§ 1, 2, 15 bis 19, Marburger Bund, abgerufen am 07.10.2026.
  2. Entgelttabellen zum TV-Ärzte/VKA, Tarifrunde 2024/2025 (Tabelle ab 1. Juni 2026), Marburger Bund, abgerufen am 07.10.2026.
  3. TV-Ärzte (TdL) für Universitätskliniken in der Fassung des Änderungstarifvertrags Nr. 10 vom 9. Juni 2026 (Stand 1. April 2026), § 12, Marburger Bund, abgerufen am 07.10.2026.
  4. (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018, Stand 03.07.2026: §§ 4 und 5, Gebiete Arbeitsmedizin und Chirurgie, Zusatz-Weiterbildung Betriebsmedizin, Bundesärztekammer, abgerufen am 07.10.2026.
  5. Urteil vom 22.09.2010, 4 AZR 166/09 (Eingruppierung als Oberarzt nach dem TV-Ärzte/VKA), Bundesarbeitsgericht, abgerufen am 07.10.2026.
  6. Was im Vertrag steht gilt (04.06.2021), Marburger Bund Hessen, abgerufen am 07.10.2026.
  7. Ärztestatistik 2025: Diagramme und Tabellen (Tabellen 1, 2, 3, 5, 9 und 11, Abbildung 3), Bundesärztekammer, abgerufen am 07.10.2026.

Diese Seite fasst die genannten Veröffentlichungen zusammen; verbindlich ist die Auskunft der zuständigen Ärztekammer, Behörde oder Tarifpartei. Erstveröffentlicht am 01.10.2026, zuletzt geprüft am 07.10.2026.